FRACHTDIENST NACH FAHRPLAN


Aktuell im Juli 2020

(29. Juli 2020) Die ersten Fuhren mit dem «Transport nach Fahrplan» vom südlichen Tansanischen Hochland bis in die Hauptstadt Daressalaam und zurück konnten erfolgreich aufgenommen werden. Auf weiteren Pilot-Fahrten über die 800 km lange Wegstrecke geht es jetzt auch darum, Erfahrungen mit den strikten Fahrzeuggewichtskontrollen und den häufigen Strassenkontrollen wegen den konfusen offiziellen Corona-Richtlinien zu sammeln.

Für die Reservationen ist der Vermarkter TBM „Tanzania Biashara Mapema“ zuständig: Die Handelsfirma TBM sorgt dafür, dass die Vermarktung vom Dorf bis in die Stadt funktioniert. Tanzania Biashara Mapema verhandelt derzeit mit verlässlichen Personen aus seinem weit gespannten Netzwerk, die als Cargo-Reservations-Agenten entlang der Route bis zu den Endabnehmern in Kigamboni, dem Hafenviertel von Daressalaam fungieren. Für August ist zu erwarten, dass die Agenten Reservationen entgegennehmen können und die ersten “fahrplanmässigen” Fuhren laufen. Ziel ist es dann, den Fahrplan über 2-3 Monate beizubehalten, um die Zuverlässigkeit des Transportes gemäss Fahrplan den Kunden demonstrieren zu können. Da liegt allerhand Potential darin, denn TBM hat zugesichert, alle ihre Vermarktungs-Deals auf der Strecke ausschliesslich mit via «Transport nach Fahrplan» abzuwickeln. TBM sorgt mit seiner Vermarktungsphilosophie «TSS» nicht nur dafür, dass die Vermarktung vom Dorf bis in die Stadt funktioniert, sondern rechnet dem landwirtschaftlichen Produzenten jeden Verkauf transparent ab, wobei der Ertragsüberschuss dem Produzenten zugute kommt – das ist «Transaction Security Service».

Jetzt werden die Fahrten wegen den Unsicherheiten der Corona-Situation viel weniger einbringen als kalkuliert. Die beiden Initianten Rajan wie auch Francis haben Familie und wie die allermeisten in Tansania zu wenig Ersparnisse, um das reduzierte Einkommen dieser unvorhergesehen schwierigeren Testphase ausgleichen zu können. FARIP ist gefordert, eine Unterstützungslösung zu suchen.

Es dominiert die Angst vor finanziellem Verlust bei Leerfahrten nach Fahrplan. So ist die Innovation des Transportes nach Fahrplan gefährdet, weil die Rückkehr zum opportunistischen Geschäft lockt, erst zu fahren wenn der Laster voll ist. Damit der «Transport nach Fahrplan» nicht schon vor der Experimentierphase scheitert, will FARIP dem Vermarkter TBM eine Transportkosten-Risikogarantie leisten. Bis Ende August muss sich dann zeigen, ob die Vorteile des Fahrplans sowohl die Agenten wie die Kunden überzeugen und dann regelmässige Reservationen hereinkommen. In der Zwischenzeit können sicher die Briketts aus Kohlestaub, ein weiteres Venture von FARIP in Magunguli, offene Ladekapazitäten jeder fahrplanmässigen Fuhre nach Daressalaam nutzen.

 

Aktuell im Mai 2020

Bauern im südlichen Tansania sind mit grossen Schwierigkeiten beim Transport ihrer Agrarprodukte konfrontiert. Man weiss nie, ob man einen Lastwagen bekommt, man kann nie garantiert zur Zeit liefern. Und manchmal klappt es gar nicht. Doch ohne zuverlässigen Marktzugang können Bauernfamilien ihr Einkommen nicht verbessern.

Eine Idee aus Tansania selber könnte hier Abhilfe schaffen: Weshalb fährt ein Lastwagen nicht wie ein Bus? Mit fixem Fahrplan und Haltestellen! Wer etwas transportieren will, kann Platz reservieren und bezahlt das Ticket zum voraus. Die zwei Initianten Francis und Rajan sind jetzt als stolze Fahrer eines Scania 14.5-Tönners bereit, den Pilotbetrieb auf der Strecke Makungu – Makambako zu starten. farip sammelt für einen rückzahlbaren Kredit von 17‘000.- CHF, also 2/3 für den Kauf, die Eigner investierten das fehlende Drittel mit Eigenmitteln. Die Initianten Francis und Rajan prüften sehr genau, was für einen Laster sie für den Fahrplan-Service kaufen. Dazu gehörten auch Testfahrten über 1000 km mit Ladung. Gut gemacht: Bei solch harten Dauertests kann kein Mangel unentdeckt bleiben und mehrere Gefährte schieden denn auch aus. Am Schluss fiel die Wahl auf einen Scania 14.5 Tönner, die Nummernschilder sind bereits eingelöst. Francis (links) und Rajan (rechts) wollen sich nun so rasch wie möglich mit ihren regelmässigen Fahrten nach Fahrplan als zuverlässigen und planbaren Cargo-Dienst den Bauern in den Dörfern zwischen Makungu und Makambako bekannt machen. Für das erste Jahr sucht farip noch Spendenfinanzierung für das betriebswirtschaftliche Coaching.

Die Vorgeschichte im 2019

Ein zuverlässiger Warentransport zwischen Makungu und Makambako mit fixem Fahrplan und fixen Haltestellen: Um den Transport von Waren vom Dorf zum Markt in der Stadt zuverlässig und planbar zu machen, möchten Rajan und Francis folgende Idee umsetzen: Lastwagen verkehren mit fixem Fahrplan und fixen Haltestellen. Wer etwas zu transportieren hat, kann über SMS Platz für seine Ware reservieren und auch gleich dafür mit dem mobilen Telefon bezahlen. Also quasi ein Billet für Cargo zum voraus kaufen für fixe Abfahrtszeiten, wie bei einem Bus für Personen.

Weil Transport ein häufiger Engpass für viele von farip unterstützte Vorhaben ist, will farip dieser Idee so rasch wie möglich zum Durchbruch verhelfen. Die hohe Einstiegsschwelle ist dabei eine Herausforderung.

Die Erfahrungen der letzten Jahre haben immer wieder gezeigt: Der Transport von und zu Dörfern in Tansania ist durchs Band weg opportunistisch, und daher nie planbar. Somit muss für jede Ladung ein grosser Aufwand betrieben werden bis es klappt. Und man weiss nie ob und wann genau es klappen wird. Das führt dazu, dass gerade auf den Agrarmärkten fast ausschliesslich nur ein Spot-Markt-Verhalten möglich ist: Man handelt nur, wenn man die Ware sieht, und dann muss es schnell gehen. Terminlich zugesicherte Lieferungen oder regelmässige Lieferungen werden so unmöglich. Und: Kleinmengen, die keinen Lastwagen füllen, müssen immer hinten anstehen und hoffen, dass auf irgendeinem Vehikel vielleicht noch etwas Platz frei wird. Somit sind die meisten Bauern, die nie eine Lastwagenfracht von 30 Tonnen aufs Mal zusammenbekommen, den Händlern ausgeliefert. Und diese wiederum können keine Lieferungen an die Grossabnehmer auf Termin zusichern. Das ganze opportunistische System funktioniert zwar, aber es ist unnötig teuer.

Rajan und Francis wollen nun einen Scheduled Cargo Service SCS einführen, einen “Frachtdienst nach Fahrplan”. Lastwagen würden wie ein Personenbus eine vorbestimmte fixe Route nach Fahrplan fahren und an festgelegten Stationen zum Beladen und Entladen halten. Wer etwas zu transportieren hat, kann per SMS Platz reservieren und auch gleich via Mobiltelefonie dafür bezahlen, und sich so den Transport mit wenig Aufwand zuverlässig sichern. Und das nicht nur für grosse Tonnagen, sondern auch für einzelne Säcke, Bananenstauden, Körbe, Harassen und Kleingut.

Dafür möchten Rajan und Francis alte, noch gut erhaltene Vehikel auch auf den Seitenstrassen in die Dörfer hinaus betreiben, im Unterschied zu heute, wo meist nur Vehikel in ihrer letzten Lebensphase noch auf solchen Strassen eingesetzt werden.

farips Abklärungen haben ergeben, dass Francis ein sehr erfahrener Fahrer von Benzin-Tanklastern ist, die schwierigste und verantwortungsvollste Stufe des Fahrens überhaupt. Und Rajan ist ein Allrounder, der auch Autowracks kauft, diese wieder instandsetzt und mit Gewinn verkauft. So scheint klar, dass diese beiden imUnterschied zu vielen anderen bestens wissen, wie ein Vehikel gefahren und gewartet werden muss.

Als ersten Schritt schlagen sie farip vor, sie möchten mit einem kleinen Transporter die 80 km Erdstrasse zwischen Makungu und Makambako bedienen, um das Konzept auszuprobieren und zu testen. Vor allem muss auch das Reservierungs- und Bezahlungssystem auf Herz und Nieren geprüft werden. Doch die dafür notwendige Investition liegt über dem, was die beiden in ihrer jetzigen Situation stemmen können. Der Vermittler TBM, ein langjähriger Partner von farip, will da einspringen. TBM hat selbst ein sehr hohes Interesse an SCS, weil er damit die TSS-Vermittlungsgeschäfte viel zuverlässiger organisieren kann. TBM hat sich anerboten, das Vehikel auf eigene Rechnung zu beschaffen und an die beiden zum Selbstkostenpreis zu vermieten, bis diese ihre eigene Firma gegründet haben. Und: TBM hat zugesichert alle ihre TSS-registrierten Deals auf der Strecke Makungu-Makambako ausschliesslich über SCS als Transporteur abzuwickeln.

farip hat entschieden, einen Kredit als Starthilfe zu gewähren. Als Sicherheit für den Kredit haben Rajan, Francis und TBM angeboten, ihre auf eigenem Boden wachsenden Bäume enzusetzen. Dies wiederum interessiert farip aus anderem Grund: GRACOMA. Somit sind günstige Voraussetzungen geschaffen, dass diese innovative Idee ausprobiert werden kann.

farip hat erst im Oktober 2019 entschieden, dieses Vorhaben “aktiv” zu schalten. Es geht jetzt darum, die Finanzen zu finden, um den beiden und TBM die Kredite für den Kauf und Startbetrieb ihres ersten Kleinlasters zu gewähren. Damit sollen sie ihre ersten konkreten Test-Erfahrungen mit SCS machen. Die Spendenkampagne der farip läuft, bis der Zielbetrag von 23’000 CHF erreicht ist.

27. November 2019