DORFMÜHLE

Eine eigene Mühle in Msowero

In Msowero im zentralen Hochland von Tansania wollen die Bauernfamilien die Wertschöpfung ihres Maises erhöhen: Ihr Ziel ist, Maismehl unter eigener Marke an die vielen Kleinläden der Städte Morogoro, Dodoma und Daressalaam zu verkaufen. Die ersten zwei Meilensteine haben sie schon hinter sich. Als erstes sind sie in der Lage, den Mais nach der Ernte in Blechsilos zuverlässig über Monate auf dem Hof zu lagern, bis der Verkaufspreis stimmt. Als zweites haben sie einen schmerzhaften Versuch erlebt, den Mais im Dorf zu Dona zu mahlen: Das war zwar billig, aber wegen den schlechten hygienischen Bedingungen taugte das Maismehl nur für den lokalen Verbrauch innert einer Woche oder bloss als Hühnerfutter. Fazit: Eine eigene Mühle muss her! Die Innovation hier ist, so etwas im kleinen Massstab auf dem Dorf machen zu können und die volle Wertschöpfung im Dorf zu behalten. Die Folgen wären weitreichend:

  • Unabhängigkeit der Bauern vom saisonalen und oft undurchsichtigen Maishandel
  • Mit der TSS-Vermarktung werden die Bauern an der Wertschöpfung mitbeteiligt
  • Sauberes und zuverlässiges Dona-Mehl, in Portionen verpackt, welche für die riesige Zahl der Wenigverdiener in der Stadt bezahlbar ist

TBM will dies verfolgen. farip hat einen Kredit gesprochen für den Kauf eines Areals in Msowero gesprochen. farip hat auch ein Vorprojekt für die Projektierung als “aktives Venture” genehmigt. Jetzt, im Mai 2020, lanciert farip die Spendenkampagne für die Finanzierung eines rückzahlbaren Kredites für den Bau der Mühle und für das à-fonds-perdu betriebswirtschaftliche Coaching.

Geschichte und Stand des Vorhabens

Die Entstehung dieser Idee ist typisch für das Vorgehen und die Herausforderungen der farip und zeigt exemplarisch auf, warum es farip braucht: Beim Verfolgen von innovativen Ideen vor Ort laufen die Leute immer wieder in neue, nicht zum Voraus erkennbare Engpässe, welche wiederum zu weiteren innovativen Ideen führen. So verstehen sie Schritt für Schritt das ganze komplexe Bild, können es immer besser in den Griff bekommen, und dann nützliche Effekte erzielen.

Am Beginn stand das Vorhaben der TBM mit den Maissilos, welches den Bauern die Möglichkeit gibt, mit den horrenden saisonalen Preisschwankungen beim Mais gescheit umzugehen. Aus der Krise mit dem Exportstopp für Mais im 2018/2019 entstand die Idee, die Wertschöpfungskette eine zusätzliche Stufe selber in den Griff zu bekommen, also nicht Maiskörner an den Grosshandel zu verkaufen, sondern Vollkornmehl direkt an die KonsumentInnen in der Stadt. Diese Idee wurde ebenfalls der farip unterbreitet und mit ersten Testversuchen erkundet. Sie blieb schon im Scouting in der Experimentierphase stecken: Maismehl von akzeptabler Qualität zu mahlen und zu verpacken ist im Dorf mit der jetzigen Infrastruktur unmöglich. Man müsste auf Grossmühlen ausweichen, welche jedoch nur grosse Mengen verarbeiten und eine Lastwagenladung aus einem Dorf nicht ernst nehmen können. Mit dem Verkauf an Grossmühlen würde aber die Idee mit der Direktvermarktung an die Detaillisten in der Stadt bei gleichzeitiger Maximierung der Wertschöpfung im Dorf scheitern.

Also haben die Bauern mit Maissilos TBM gebeten, doch bitte zu erkunden, ob es möglich wäre, eine akzeptable Mühle im Dorf zu bauen und zu betreiben, als Alternative zu den jetzigen hygienisch unhaltbaren Mühlen. Damit ist TBM auch wiederum an farip herangetreten, mit der klaren Absicht, hier etwas in Gang zu bringen. Das Dorf hat TBM ein geeignetes Stück Land ausserhalb des Dorfes angeboten, an einer sehr guten Strasse gelegen, wo demnächst auch die Elektrizität hinkommen soll. Als erste Sofortmassnahme hat farip TBM einen Kredit gewährt, damit das Land rasch gekauft werden kann und vor Spekulationen gesichert ist. Weitere Abklärungen zeigen nun, dass diese Mühle ein grosses Projekt werden wird. Im Detail muss das noch technisch-finanziell erkundet und behördlich abgeklärt werden, bevor weitere Gelder gesprochen werden können. Auch ist klar, dass TBM ihre eigene Managementkapazität dafür wesentlich ausweiten müsste, was auch Zeit und Energie beanspruchen wird.

Die Innovation ist auch hier einmal mehr bestechend. Es wäre für die Bauern ein Durchbruch, falls sie erfolgreich umgesetzt wird:

  • Die Bauern werden unabhängiger von den Machenschaften im Getreidehandel. Mais ist eine “politische Ware“ in Tansania, weil es das bei weitem wichtigste Nahrungsmittel ist. Wer den Maishandel kontrolliert, kontrolliert die Regierung – ein ständiger Machtkampf! Mit dem Verkauf von Dona-Mehl direkt an die KonsumentInnen statt Rohmaterial an den Getreidehandel entziehen sich die Bauern diesem Machtkampf und seinen Folgen. Sie können unabhängiger ihr Einkommen erzielen. Nota bene: Die Bauern wollen keine Genossenschaft oder etwas Ähnliches gründen, sie wollen auf Kommissionsbasis mit TBM, der von ihnen beauftragten Vermarktungsfirma, zusammenarbeiten. Sie sind sogar bereit, das Projekt dieser Mühle zu erkunden, mit TBM als Eignerin der Mühle! Hier ist also ein weiterer Hinweis zu finden, wie oft der von aussen herangetragene Genossenschaftsgedanke an den echten Bedürfnissen und Ideen der Bauern vorbeizielt. Die Bauern in Tansania haben damit in der Vergangenheit viele schmerzliche Erfahrungen machen müssen. Jetzt zeigt TBM eine für sie taugliche Alternative.
  • Die TSS-Vermarktungsmethodologie der TBM eignet sich hervorragend für die Beteiligung der Bauern an der beabsichtigten Wertschöpfung im Dorf. Das haben die Bauern klar erkannt, und gerade darum haben sie TBM gebeten, eine eigene Mühle ins Auge zu fassen.
  • Das Produkt der Mühle wäre dann: Sauberes und zuverlässig Pestizid-freies Mehl in Portionen verpackt, welche für die riesige Zahl der Wenigverdiener in der Stadt bezahlbar sind. Der Direktverkauf an Kleinläden in den Städten ist eine der wichtigsten Strategien der TBM (link zu Fatuma). Allerdings hängt dies auch vom Erfolg des Vorhabens „Transport nach Fahrplan“ ab.

Wie so oft in der Arbeit von farip: Die Leute kommen mit innovativen Ideen, während sie noch mitten in der Krise beim Umsetzen einer vorherigen Idee kämpfen. Ihre Lösungen greifen dann oft ineinander. farip ist da im Coaching systemisch oft stark gefordert.

farip hat dem Antrag von TBM für eine Projektierungsphase grundsätzlich zugestimmt, jetzt werden die Projektdetails durch TBM erarbeitet. Bereits im Dezember 2019 hat das Dorf Msowero dafür gesorgt, dass TBM für die Mühle ein geeignetes Stück Land an der Ausfallstrasse nach Dodoma und Daressalaam erwerben konnte. Jetzt lanciert farip die Spendenkampagne für die Finanzierung eines rückzahlbaren Kredites für den Bau der Mühle und für das à-fonds-perdu betriebswirtschaftliche Coaching.

TBM, unsere Partnerin Tanzania Biashara Mapema: TBM operiert mit dem einzigartigen Geschäftsmodell «Transaction Security Services» TSS: TBM übernimmt im Auftrag der Bauern die Organisation und Kontrolle über die ganze Wertschöpfungskette des Maises, von der Lagerung auf dem Hof bis zur Vermarktung und dem Verkauf der Fertigprodukte an die Endkonsumenten in der Stadt. Dabei verdient TBM eine Kommission, welche vom Erfolg der Wertschöpfung abhängt. Transportkosten, Vermarktungsaufwand und Verkaufspreise werden alle transparent abgerechnet. Weil sie so an der ganzen Wertschöpungskette partizipieren, verdienen auch die Produzenten mehr.

 

20. April 2020