DORFMÜHLE

Eine eigene Mühle in Msowero

Ein erster Versuch vom Mais Vollkornmehl im Dorf zu produzieren und in der Stadt zu verkaufen ist gründlich misslungen, wie im “vom Mais zum Mehl” beschrieben. Die Lösung dafür ist die Mühle auf dem Dorf, welche hygienisch akzeptabel mahlt und in kleine Portionen für den Detailhandel verpackt. Die Innovation hier ist, so etwas auf dem Dorf machen zu können und die volle Wertschöpfung im Dorf zu behalten. Die Folgen wären weitreichend:

  • Unabhängigkeit der Bauern vom saisonalen und oft undurchsichtigen Maishandel
  • Mit der TSS-Vermarktung werden die Bauern an der Wertschöpfung mitbeteiligt
  • Sauberes und zuverlässiges Dona-Mehl, in Portionen verpackt, welche für die riesige Zahl der Wenigverdiener in der Stadt bezahlbar ist

TBM will dies verfolgen. farip hat einen Kredit gesprochen für den Kauf eines Areals in Msowero gesprochen. farip hat auch ein Vorprojekt für die Projektierung als “aktives Venture” genehmigt. Die Finanzierung steht – Stand November 2019 – noch aus.

Geschichte und Stand des Vorhabens

Die Entstehung dieser Idee ist typisch für das Vorgehen und die Herausforderungen der farip und zeigt exemplarisch auf, warum es farip braucht: Beim Verfolgen von innovativen Ideen vor Ort laufen die Leute immer wieder in neue, nicht zum Voraus erkennbare Engpässe, welche wiederum zu weiteren innovativen Ideen führen. So verstehen sie Schritt für Schritt das ganze komplexe Bild, können es immer besser in den Griff bekommen, und dann nützliche Effekte erzielen.

Am Beginn stand das Vorhaben der TBM mit den Maissilos, welches den Bauern die Möglichkeit gibt, mit den horrenden saisonalen Preisschwankungen beim Mais gescheit umzugehen. Aus der Krise mit dem Exportstopp für Mais im 2018/2019 entstand die Idee, die Wertschöpfungskette eine zusätzliche Stufe selber in den Griff zu bekommen, also nicht Maiskörner an den Grosshandel zu verkaufen, sondern Vollkornmehl direkt an die KonsumentInnen in der Stadt. Diese Idee wurde ebenfalls der farip unterbreitet und mit ersten Testversuchen erkundet. Sie blieb schon im Scouting in der Experimentierphase stecken: Maismehl von akzeptabler Qualität zu mahlen und zu verpacken ist im Dorf mit der jetzigen Infrastruktur unmöglich. Man müsste auf Grossmühlen ausweichen, welche jedoch nur grosse Mengen verarbeiten und eine Lastwagenladung aus einem Dorf nicht ernst nehmen können. Mit dem Verkauf an Grossmühlen würde aber die Idee mit der Direktvermarktung an die Detaillisten in der Stadt bei gleichzeitiger Maximierung der Wertschöpfung im Dorf scheitern.

Also haben die Bauern mit Maissilos TBM gebeten, doch bitte zu erkunden, ob es möglich wäre, eine akzeptable Mühle im Dorf zu bauen und zu betreiben, als Alternative zu den jetzigen hygienisch unhaltbaren Mühlen. Damit ist TBM auch wiederum an farip herangetreten, mit der klaren Absicht, hier etwas in Gang zu bringen. Das Dorf hat TBM ein geeignetes Stück Land ausserhalb des Dorfes angeboten, an einer sehr guten Strasse gelegen, wo demnächst auch die Elektrizität hinkommen soll. Als erste Sofortmassnahme hat farip TBM einen Kredit gewährt, damit das Land rasch gekauft werden kann und vor Spekulationen gesichert ist. Weitere Abklärungen zeigen nun, dass diese Mühle ein grosses Projekt werden wird. Im Detail muss das noch technisch-finanziell erkundet und behördlich abgeklärt werden, bevor weitere Gelder gesprochen werden können. Auch ist klar, dass TBM ihre eigene Managementkapazität dafür wesentlich ausweiten müsste, was auch Zeit und Energie beanspruchen wird.

Die Innovation ist auch hier einmal mehr bestechend. Es wäre für die Bauern ein Durchbruch, falls sie erfolgreich umgesetzt wird:

  • Die Bauern werden unabhängiger von den Machenschaften im Getreidehandel. Mais ist eine “politische Ware“ in Tansania, weil es das bei weitem wichtigste Nahrungsmittel ist. Wer den Maishandel kontrolliert, kontrolliert die Regierung – ein ständiger Machtkampf! Mit dem Verkauf von Dona-Mehl direkt an die KonsumentInnen statt Rohmaterial an den Getreidehandel entziehen sich die Bauern diesem Machtkampf und seinen Folgen. Sie können unabhängiger ihr Einkommen erzielen. Nota bene: Die Bauern wollen keine Genossenschaft oder etwas Ähnliches gründen, sie wollen auf Kommissionsbasis mit TBM, der von ihnen beauftragten Vermarktungsfirma, zusammenarbeiten. Sie sind sogar bereit, das Projekt dieser Mühle zu erkunden, mit TBM als Eignerin der Mühle! Hier ist also ein weiterer Hinweis zu finden, wie oft der von aussen herangetragene Genossenschaftsgedanke an den echten Bedürfnissen und Ideen der Bauern vorbeizielt. Die Bauern in Tansania haben damit in der Vergangenheit viele schmerzliche Erfahrungen machen müssen. Jetzt zeigt TBM eine für sie taugliche Alternative.
  • Die TSS-Vermarktungsmethodologie der TBM eignet sich hervorragend für die Beteiligung der Bauern an der beabsichtigten Wertschöpfung im Dorf. Das haben die Bauern klar erkannt, und gerade darum haben sie TBM gebeten, eine eigene Mühle ins Auge zu fassen.
  • Das Produkt der Mühle wäre dann: Sauberes und zuverlässig Pestizid-freies Mehl in Portionen verpackt, welche für die riesige Zahl der Wenigverdiener in der Stadt bezahlbar sind. Der Direktverkauf an Kleinläden in den Städten ist eine der wichtigsten Strategien der TBM (link zu Fatuma). Allerdings hängt dies auch vom Erfolg der Transportideen ab (link zu SCS).

Wie so oft in der Arbeit von farip: Die Leute kommen mit innovativen Ideen, während sie noch mitten in der Krise beim Umsetzen einer vorherigen Idee kämpfen. Ihre Lösungen greifen dann oft ineinander. farip ist da im Coaching systemisch oft stark gefordert.

TBM will nun eine Projektierungsphase für diese Mühle als Vorhaben bei farip beantragen. farip hat grundsätzlich schon mal zugestimmt, aber die Details der Projektierung muss TBM erst noch erarbeiten. Klar ist auch, dass farip nur dann wird finanzieren können wenn a) die Finanzierung des damit eng verknüpften Vorhabens “Transport nach Fahrplan” erste Früchte zeigt und b) die Finanzierung dieser Mühle selbst auf guten Wegen sein wird.