VOM MAIS ZUM MEHL

Wie vermarktet man Vollkornmehl?

Die Bauern in Msowero mussten zusehen, wie der Mais in ihren neuen Maissilos von Woche zu Woche an Wert verlor weil der Grosshandel keinen Mais mehr aufkaufte. Der Grund war der von der Regierung verhängt totale Exportstopp für alles Getreide. Demgegenüber beobachteten sie, dass der Preis für Maismehl in den Städten nicht gesunken war. So haben sie TBM gebeten, eine Idee vorzuziehen, welche sie schon im 2017 diskutiert hatten: Ihren Mais zu Vollkornmehl zu mahlen und in kleinen Portionen in der Stadt zu verkaufen. Vollkornmehl darum, weil es dafür eine rasch wachsende Nachfrage in den Städten gab, aufgrund der Empfehlungen der Gesundheitsleute, doch bitte weniger raffiniertes weisses Maismehl zu essen. So hat TBM einen ersten Testlauf mit dem Mais aus drei Metalsilos versucht zu Vollkornmehl zu mahlen und in Daressalaam zu verkaufen.

Der Versuch ist gründlich misslungen: Das Mehl verschimmelte, verdarb sehr rasch und war sehr anfällig für Mehlwürmer. Das weitaus meiste Mehl konnte nur noch als Hühnerfutter verkauft werden. Anhand dieses Misserfolges haben aber TBM und die Bauern etliches Neues erfahren, was zu weiteren Ideen führte:

  • 1. Raffinierte Produkte sind wenig lagerbar
    Vollkornmehl ist nicht nur für Menschen sehr viel nahrhafter als weisses raffiniertes Maismehl, sondern für alle anderen Lebewesen auch, wie Pilze und Insekten. Raffinieren heisst, die Nahrungskomponenten zu trennen, die Proteine und das Oel aus dem Keimling des Maiskorns von den Kohlehydraten im Korn. Wenn fast nur noch Stärke da ist, wie im weissen Maismehl (Maizena!), verhungern auch Mehlwürmer. Aber Vollkornmehl ist ein Eldorado für Würmer und Pilze. Folglich: Bei nahrhaften Vollkornprodukten nie darauf zählen, dass man sie länger als 2-3 Wochen lagern kann. Also immer Portionen-weise mahlen und alle 2 Wochen an die kleinen Läden je nach Verbrauch nachliefern.
  • 2. Miserable hygienische Bedingungen beim Mahlen
    Sie haben in den lokalen Mühlen in Msowero gemahlen. Die hygienischen Bedingungen dort sind unhaltbar. Kein Wunder hatte das Mehl schon innert Tagen Würmer. An sich müssten die Nahrungsmittelinspektoren einschreiten und die Mühlen schliessen, aber es gibt fürs Dorf keine Alternativen, und es käme zu Versorgungsengpässen. Somit wird klar, warum in diesen Mühlen immer nur kleine Portionen gemahlen werden, selten ganze Lastwagenladungen für entfernte Märkte. Für den Verkauf in der Stadt sind diese Mühlen untauglich, sie würden bei der erstbesten Gelegenheit von den Behörden geschlossen. Wenn sich also die Bauern an der Wertschöpfung vom Korn zum Mehl und weiter bis zum Verkauf in Kleinläden in der Stadt beteiligen wollen, so kann ihnen TBM mit der TSS-Dienstleistung behilflich sein. Aber es braucht eine saubere, von Lebensmittelinspektoren akzeptierte Mühle in Msowero selbst. TBM hat den Bauern versprochen das zu erkunden, und bittet farip um Unterstützung in der Projektierung und Bau eines kommerziellen Vorhabens.
  • 3. Nachtrocknen!
    Von den Sukuma, den Leuten der neu zugezogenen Ethnie in Msowero, hat man folgendes gelernt: Vollkornmehl ist sofort nach dem Mahlen nochmals in der Sonne nachzutrocknen und darf erst dann in Säcke verpackt werden. Der Grund, warum das funktioniert, ist noch nicht ganz klar. Klar ist aber, dass man das Mehl nur auf den abgelegenen Bauernhöfen der Sukuma  sauber in der Sonne trocknen kann, im Dorf ist es viel zu staubig. Also auch da: Nachbehandlung des frischen Mehles bevor man es abpackt! Wie genau sie das mit einer neuen und sauberen Mühle schaffen würden ist noch zu erkunden.